Den Hochwasser-Alarm- und Einsatzplan der Gemeinde schreiben und nutzen
Ein Hochwasser-Alarm- und Einsatzplan legt fest, wer bei welchem Pegel oder welcher Warnung was tut, und zwar so, dass auch die müde Einsatzkraft nachts damit arbeiten kann. Dieser Ratgeber behandelt Auslösewerte, Pegel, Evakuierung, Sandsäcke und Pumpen, gefährdete Menschen, die Dokumentation und die Jahresprüfung.
Wozu der Hochwasseralarmplan dient
Den Plan zu schreiben ist PREPARE im Kreislauf der Einsatzvorbereitung. Ihn zu nutzen ist ADAPT: Der Fluss steigt über eine vorher gezogene Linie, und die vorbereitete Alternative gilt ohne Debatte. Was geschieht, wenn eine Zahl keine vorbereitete Bedeutung hat, zeigt der Juli 2021. Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) nennt mehr als 180 Todesopfer in Deutschland, davon 134 in Rheinland-Pfalz und 49 in Nordrhein-Westfalen. Ihre Analyse hält fest, dass die Warnungen der Hochwassermeldedienste bei den vorgesehenen Empfängern ankamen. Verbesserungsbedarf sah sie bei der Deutung dieser Daten vor Ort und bei der Weitergabe an die Bevölkerung. Der Pegel Altenahr zeigte am Abend des 14. Juli zeitweise niedrigere 406 cm und lag damit noch immer deutlich über einem 100-jährlichen Hochwasser.
Den Rahmen setzt das Wasserhaushaltsgesetz. Nach § 5 Abs. 2 WHG muss jede Person, die von Hochwasser betroffen sein kann, im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren selbst vorsorgen. Die zuständigen Behörden erstellen Gefahren- und Risikokarten (§ 74) und Risikomanagementpläne (§ 75). Wie Warnung und Information ablaufen, regelt nach § 79 Abs. 2 WHG das Landesrecht, deshalb sieht jeder Hochwassermeldedienst etwas anders aus.
Sie beginnen dabei nicht bei null. In Bayern gibt es eine Arbeitshilfe des Innenministeriums zu Alarm- und Einsatzplänen, in Baden-Württemberg ein Alarmstufenmodell für Kommunen, und viele Gemeinden veröffentlichen ihre Pläne, etwa Rosenberg im Neckar-Odenwald-Kreis. Stimmen Sie Ihren Plan mit dem Wasserwirtschaftsamt, der Katastrophenschutzbehörde des Kreises und der Feuerwehr ab.
Meldestufen mit Aufgaben verbinden
| AUSLÖSER | BEDEUTUNG | PHASE IM PLAN | WAS IHR PLAN VORSIEHT |
|---|---|---|---|
| Dauerregenwarnung des DWD oder Lagebericht | Die Lage kann sich entwickeln | Monitoring | Empfangsbereitschaft sichern, Warnungen und Pegel verfolgen. |
| Meldestufe 1 | Stellenweise kleinere Ausuferungen | Warnphase | Warndienst besetzt, Einlaufrechen und Durchlässe prüfen, Einsatztagebuch beginnen. |
| Meldestufe 2 | Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen | Warnphase | Bauhof und Feuerwehr vorwarnen, Pumpen und Treibstoff prüfen, gefährdete Menschen anrufen. |
| Meldestufe 3 | Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet, überörtliche Straßen gesperrt oder vereinzelt Wasserwehr im Einsatz | Kontrollphase | Mobile Elemente stellen, Fahrzeuge umparken, Menschen beim Verlassen helfen, tiefe Straßen sperren. |
| Meldestufe 4 | Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Wasserwehr in großem Umfang erforderlich | Abwehrphase | Feuerwehr führt die Gefahrenabwehr, Stab arbeitet. Helfer ziehen sich an sichere Orte zurück. Bei Lebensgefahr 112. |
| Wasser fällt | Stufen werden unterschritten, Warnungen enden | Nachsorge | Liste für den Wiederaufbau beginnen. Rückkehr erst nach Freigabe. |
Für jeden Pegel wird einzeln festgelegt, welcher Wasserstand zu welcher Meldestufe gehört. Andere Länder verwenden eigene Stufen und Bezeichnungen. Bundesweiter Überblick: hochwasserzentralen.de.
Pegel und eigene Auslösewerte
Prüfen Sie zuerst, was Ihr Land für Ihren Abschnitt anbietet. In Bayern sammelt der Hochwassernachrichtendienst des LfU die Daten, und die Wasserwirtschaftsämter warnen je Landkreis. In Baden-Württemberg gibt die Hochwasservorhersagezentrale der LUBW Lageberichte heraus, in Nordrhein-Westfalen geben die Bezirksregierungen die Meldungen weiter, und Rheinland-Pfalz kennt eine regionale Frühwarnung. Die Portale der Länder bündelt das Länderübergreifende Hochwasserportal, dazu kommt die App „Meine Pegel“.
Kleine Gewässer und Gewitter fallen oft durchs Raster. Der bayerische Dienst weist ausdrücklich darauf hin, dass sich für lokale Überschwemmungen durch Starkregen keine Warnungen und Vorhersagen erstellen lassen. Dort brauchen Sie einen eigenen Auslöser: eine Pegellatte oder einen Brückenpfeiler als Referenz, dazu Beobachtungspunkte an Engstellen. Brücken und Durchlässe können durch Treibgut verklausen, und dann steigt das Wasser früher als jede Karte erwarten lässt.
Die Rechnung lässt sich an einem Beispiel zeigen. Angenommen, das Wasser erreichte zuletzt bei 2,60 m am Brückenpegel die erste Haustür in der Mühlgasse, stieg um etwa 15 cm pro Stunde, und Ihr Team braucht drei Stunden, um die Straße zu räumen. Dann liegt Ihr Handlungswert spätestens bei 2,15 m. Setzen Sie ihn auf 2,00 m, damit auch ein Nachteinsatz noch Reserve hat, und schreiben Sie die Zahl in den Plan. Die Werte sind erfunden. Messen Sie Ihre eigenen, gleichen Sie sie mit den Gefahrenkarten ab, die nach § 74 WHG auch Extremereignisse zeigen, und überarbeiten Sie sie nach jedem Hochwasser.
Evakuierung und Notunterkünfte
Tragen Sie auf einer Papierkarte ein, welche Straßen zuerst überflutet werden und welcher Weg am längsten trocken bleibt. Die Hochwassergefahrenkarten Ihres Landes liefern die Grundlage. Legen Sie die Notunterkunft mit dem Kreis fest und dazu eine zweite für den Fall, dass die erste abgeschnitten ist. Gehen Sie jede Route beim Handlungswert ab: Eine Straße, die auf der Karte gut aussieht, kann eine Senke haben, die früh vollläuft. Klären Sie außerdem, wer die Räumung anordnet und wie sie die Menschen erreicht, wenn Strom und Mobilfunk ausfallen. Jede Helferin und jeder Helfer draußen braucht einen Rückweg. Niemand geht ins fließende Wasser, um Sachwerte zu retten.
Sandsäcke, Dammbalken und Pumpen
Sandsäcke sind der sichtbarste Teil vieler Einsätze und zugleich der personalintensivste. Schreiben Sie ehrlich auf, wofür sie bei Ihnen dienen, meist für eine niedrige Lücke oder um flaches Wasser umzuleiten, und benennen Sie, wer füllt, wer fährt und wo gelagert wird. Mobile Elemente und Dammbalken müssen zu den Öffnungen passen und mit Vorlauf gestellt werden; ihre Aufbauzeit gehört in die Rechnung Ihres Handlungswerts. Für Eigentümer bleibt die Vorsorge nach § 5 Abs. 2 WHG deren eigene Aufgabe, und der Plan sollte das nicht verwischen.
Pumpen brauchen mehr Überlegung, als man denkt. Listen Sie für jede Pumpe auf: Eigentümer, Standort, Treibstoff, Schlauchlänge, wer sie bedienen darf und wohin das Wasser fließt. Wer in einen vollen Kanal pumpt, verschiebt das Problem zum Nachbarn. Halten Sie Kontakte zu Bauunternehmen und Landwirten bereit und vereinbaren Sie den Abruf vor der Saison.
Gefährdete Menschen und Einrichtungen
Die bayerische Arbeitshilfe beginnt damit, je nach Szenario alle gefährdeten Einrichtungen zu erfassen und erst dann Schutzmaßnahmen festzulegen. Dieselbe Reihenfolge passt für Menschen. Halten Sie die Liste klein und genau: wer Hilfe beim Verlassen braucht, wer an Geräten hängt, wer kein Telefon hat, welches Pflegeheim ein gefährdetes Erdgeschoss hat und wer jeweils nach ihnen sieht. Es sind personenbezogene Daten, oft Gesundheitsdaten. Klären Sie deshalb mit dem Datenschutzbeauftragten der Gemeinde, wo die Liste liegt, wer sie einsehen darf und wie oft sie erneuert wird.
Ereignis- und Schadensdokumentation
Die Dokumentation beginnt, solange das Wasser noch steht. Führen Sie ein Einsatztagebuch mit Pegelständen und Entscheidungen, fotografieren Sie Hochwassermarken mit Ort und Zeit und erfassen Sie jedes betroffene Grundstück mit Datum, Wassertiefe und Fließweg. Das hilft bei Versicherung und Wiederaufbau, und es liefert die Daten für die nächste Planung. Das Land Baden-Württemberg führt die Ereignis- und Schadensdokumentation deshalb als eigenes Ziel im Hochwasserrisikomanagement.
Danach folgt LEARN. Fragen Sie, was der Pegel anzeigte, als die erste Tür nass wurde, und verschieben Sie den Handlungswert, falls er zu spät lag. Wie die Besprechung abläuft, steht in unserem Ratgeber zur Einsatznachbesprechung, und ein SITREP hält das Tagebuch lesbar.
Jahresprüfung des Hochwasserplans
Papier
- Jede Nummer der Alarmliste anrufen.
- Warndienst, Vertretungen und die Liste gefährdeter Menschen aktualisieren.
- Handlungswerte mit dem letzten Hochwasser und den aktuellen Gefahrenkarten abgleichen.
Vor Ort
- Jede Pumpe laufen lassen und Dammbalken an der passenden Öffnung testen.
- Evakuierungsrouten abgehen, Rechen, Durchlässe und Gräben räumen.
- Eine einstündige Planübung am Tisch mit den Pegeln des letzten Jahres abhalten.
In Sinkaos kann ein Hochwasserplan Plan A, B und C mit Entscheidungspunkten enthalten, die an Pegelwerte gebunden sind. Ein Sensorschwellwert löst einen Alarm aus, und die vorbereitete Option steht zum Umschalten bereit. Amtliche Warnungen erscheinen als Kontextquelle, Meldungen von draußen funktionieren offline, und die Nachbesprechung entsteht aus dem Protokoll. Entscheiden muss weiterhin ein Mensch. Mehr dazu unter Sinkaos für Krisenstäbe der Kommunen.
Häufige Fragen zum Hochwasseralarmplan
Wer schreibt den Hochwasser-Alarm- und Einsatzplan?
Wie viel Vorwarnzeit haben wir?
Helfen Sandsäcke?
Wer führt den Einsatz bei einem großen Hochwasser?
Quellen
- Wasserhaushaltsgesetz, § 5 Allgemeine Sorgfaltspflichten
- Wasserhaushaltsgesetz, § 74 Gefahrenkarten und Risikokarten
- Wasserhaushaltsgesetz, § 75 Risikomanagementpläne
- Wasserhaushaltsgesetz, § 79 Information und aktive Beteiligung
- Hochwassernachrichtendienst Bayern: Meldestufen
- Hochwassernachrichtendienst Bayern
- Bayerisches LfU: Warnen und informieren bei Hochwasser (Faltblatt, Kopie der Stadt Regensburg)
- Bayerisches LfU: Maßnahmensteckbrief Alarm- und Einsatzpläne Hochwasser
- Länderübergreifendes Hochwasserportal
- LUBW: Betriebszustände der Hochwasservorhersagezentrale
- KEA-BW: Kommunale Hochwasser-Alarm- und Einsatzplanung, Workshopskript mit dem Alarmstufenmodell
- Land Baden-Württemberg: Katalog der Maßnahmen und Ziele des Hochwasserrisikomanagements
- Gemeinde Rosenberg: Hochwasseralarm- und Einsatzplan
- LAWA: Analyse zum Juli-Hochwasser 2021
Testen Sie es bei Ihrem nächsten Einsatz.
Der Frühzugang ist kostenlos. Wir richten den ersten Einsatz mit Ihnen ein und bleiben in der Nähe, während Sie ihn nutzen.