Der Kreislauf der Einsatzvorbereitung: vom Kennen des Geländes bis zum Ändern dessen, was man darüber weiß
Teams, die von Einsatz zu Einsatz besser werden, arbeiten in einem Kreislauf. Sie kennen ihr Gebiet, bereiten sich vor, planen, sichern Kräfte und Mittel, üben, führen den Einsatz, passen ihn an, werten aus und ändern dann, was sie über ihr Gelände wissen. Dieser Leitfaden geht die Phasen einzeln durch und zeigt, an welcher Stelle die meisten Kreisläufe abreißen.
Zehn Phasen in einem Kreislauf
Im deutschen Bevölkerungsschutz wird Vorsorge seit Langem als Kreis gezeichnet. Die Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen von 2022 nennt vier Phasen des Kreislaufs zum Risiko- und Krisenmanagement: Prävention, Vorbereitung, Bewältigung und Nachbereitung. Sinkaos teilt denselben Kreis feiner auf, in zehn Phasen, weil die Arbeit einer Einsatz- oder Stabsleitung zwischen zwei Lagen vielfältiger ist, als das Wort „Vorbereitung“ vermuten lässt.
- KNOW (kennen). Gebiet, Objekte, Gebäude, Gefahrenstellen, Personal und Ausrüstung, so wie sie heute sind.
- PREPARE (vorbereiten). Objektpläne, Ausweichvarianten und Checklisten, bevor etwas passiert.
- PLAN (planen). Ein konkreter Einsatz: Abschnitte, Wege, Rollen, Aufgaben und ein Plan B.
- RESOURCE (Ressourcen sichern). Die richtigen Leute mit gültiger Qualifikation und Ausrüstung, die funktioniert.
- TRAIN (üben). Übungen auf Grundlage echter Pläne, an echten Orten.
- EXECUTE (durchführen). Der Einsatz selbst.
- ADAPT (anpassen). Umschalten auf die vorbereitete Alternative, wenn sich die Lage ändert.
- LEARN (lernen). Die Nachbesprechung: was geplant war, was passiert ist und warum beides auseinanderliegt.
- CHANGE THE WORLD MODEL (das Weltmodell ändern). Die Erkenntnisse fließen zurück in das, was das Team weiß.
- REPEAT (wiederholen). Der nächste Einsatz beginnt an dieser Stelle.
Was das Weltmodell ist
Das Weltmodell ist das gemeinsame Bild, das ein Team zwischen den Einsätzen von seinem Gelände pflegt: Karten und Grundrisse, Zufahrten und Gefahrenstellen, Kameras und Sensoren, wer wofür qualifiziert ist und welche Ausrüstung bereitsteht. In vielen Wehren, Ämtern und Hilfsorganisationen verteilt es sich auf ein Netzlaufwerk, eine Telefonliste als Tabelle, ein paar laminierte Karten im Fahrzeug und das Gedächtnis von zwei erfahrenen Leuten.
Jede Phase des Kreislaufs liest daraus. Ein Plan taugt so viel wie die Karte, auf der er entstand, und eine Einsatzbesetzung so viel wie die Qualifikationsnachweise dahinter. Deshalb schreibt die neunte Phase in das Weltmodell zurück.
Wie die zehn Phasen zum Kreislauf des Risiko- und Krisenmanagements passen
| SINKAOS-PHASE | PHASE IM KREISLAUF | WAS DAVON BLEIBT |
|---|---|---|
| KNOW | Prävention (Risiken erkennen und analysieren) | Ein aktueller Atlas mit Objekten, Gefahrenstellen, Personal und Ausrüstung |
| PREPARE | Prävention, Vorbereitung | Objektpläne, Ausweichvarianten, Checklisten |
| PLAN | Vorbereitung | Ein Einsatzplan mit Alternativen und Auslösern |
| RESOURCE | Vorbereitung | Eine freigegebene Besetzung und Einsatzpakete auf jedem Telefon |
| TRAIN | Vorbereitung | Übungsnachweise und gültige Qualifikationen |
| EXECUTE | Bewältigung | Ein lückenloses Protokoll mit Zeitstempeln |
| ADAPT | Bewältigung | Entscheidungen mit Uhrzeit und Begründung |
| LEARN | Nachbereitung | Feststellungen mit Belegen und einer verantwortlichen Person |
| CHANGE THE WORLD MODEL | Nachbereitung, Übergang in die nächste Prävention | Aktualisierte Karten, Pläne, Ausbildung und Ausrüstungslisten |
| REPEAT | Alle vier Phasen von vorn | Ein besserer Ausgangspunkt |
Wo die meisten Kreisläufe abreißen
Meist zwischen LEARN und CHANGE. Die Nachbesprechung findet statt, ein Bericht wird geschrieben, und die Erkenntnisse bleiben darin liegen. Die Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung LÜKEX, die BMI und BBK koordinieren, hat dafür ein festes Verfahren: Jede übende Organisation schreibt einen Erfahrungsbericht nach vorgegebener Gliederung, das BBK fasst die Ergebnisse mit den Handlungsempfehlungen in einem Auswertungsbericht zusammen, und die Umsetzung liegt danach bei den jeweils zuständigen Behörden, Ländern und Unternehmen. Der Auswertungsbericht zur LÜKEX 23 nennt als Ziel für die Weiterentwicklung der Übungsreihe ausdrücklich, die nachhaltige Umsetzung der Übungserkenntnisse zu stärken.
Für die Einsatzpraxis vor Ort gilt dasselbe. Katastrophenschutz ist in Deutschland Sache der Länder; der Bund regelt im Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG) den Zivilschutz und bezieht dafür nach § 11 die Einheiten ein, die nach Landesrecht im Katastrophenschutz mitwirken. Die Landeskatastrophenschutzgesetze verlangen von den Katastrophenschutzbehörden Pläne und Übungen; das Bayerische Katastrophenschutzgesetz etwa fordert in Art. 3, Katastrophenschutzpläne zu erstellen und fortzuschreiben und in angemessenem Umfang Katastrophenschutzübungen durchzuführen. Fortschreiben heißt in der Praxis, dass sich nach einer Übung oder einem Einsatz etwas ändert, das jemand beim nächsten Mal benutzt: eine Gefahrenstelle auf der Karte, ein Schritt im Objektplan, eine Übung im Ausbildungsplan, ein Ersatzteil auf der Ausrüstungsliste. Hat sich im Weltmodell nichts verändert, beginnt der nächste Einsatz dort, wo der letzte angefangen hat.
Ein Stadtfest im Sommer, ein Jahr lang begleitet.
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01KnowDie Festwiese mit ihren drei Zugängen, der Uferweg am Fluss, die Sanitätsstation und die sechs Funkgeräte des Ordnungsamts stehen seit dem letzten Jahr im Atlas.
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02PrepareDas Sicherheitskonzept der Stadt enthält je eine Ausweichvariante für ein vermisstes Kind und für ein Gewitter, beide mit eigener Checkliste.
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03PlanDer Veranstalter teilt die Wiese in vier Abschnitte, teilt den Ordnerdienst ein und legt Zugang 2 als Notausgang fest.
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04ResourceBei zwei Sanitätshelfern läuft die Qualifikation vor dem Fest ab. Die Besetzung zeigt es an, und der Sanitätsdienst plant zwei andere ein.
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05TrainEine Woche vorher gehen die Ordner den Ablauf „Kind vermisst“ direkt auf der Festwiese durch.
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06ExecuteAm Festtag liegen Meldungen, Aufgaben und Positionen auf einer Karte. Am Flussende ist der Empfang schlecht, also halten die Telefone die Meldungen zurück und senden sie später.
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07AdaptUm 15:40 kommt eine Unwetterwarnung. Die Gewittervariante geht an alle Telefone, Zugang 2 wird geöffnet.
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08LearnDie Wiedergabe zeigt, dass Zugang 2 elf Minuten zum Öffnen brauchte, weil der Schlüssel für das Vorhängeschloss beim falschen Ordner war.
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09Change the world modelWer den Schlüssel hat, steht jetzt im Datensatz von Zugang 2, der Öffnungsschritt kommt in die Gewittervariante, und ein Schlüsselkasten auf die Ausrüstungsliste.
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10RepeatDas Stadtfest im nächsten Jahr beginnt mit diesem Stand, ebenso der Weihnachtsmarkt auf derselben Wiese.
Woran Sie einen abgerissenen Kreislauf erkennen
Davor
- Die Planung beginnt mit einem alten Dokument statt mit dem Ergebnis vom letzten Mal.
- Niemand kann auf Anhieb sagen, wessen Qualifikationen in diesem Quartal ablaufen.
- Geübt wird ein ausgedachtes Szenario statt eines echten Plans.
Danach
- Die Nachbesprechung stützt sich auf Erinnerungen, weil es kein Protokoll gibt.
- Feststellungen haben keine verantwortliche Person und keine Frist.
- Dasselbe Problem taucht in zwei Nachbesprechungen hintereinander auf.
Sinkaos führt das Weltmodell als dauerhaften Atlas und nutzt es in jeder Phase: Pläne und Übungen entstehen darauf, Besetzungen und Einsatzpakete kommen aus seinen Datensätzen, der Einsatz läuft offline darauf, und die Feststellungen aus der Nachbesprechung werden mit einer verantwortlichen Person zurückgeschrieben. Mehr dazu unter Sinkaos für den Krisenstab der Kommune und im Glossareintrag zum Weltmodell.
Häufige Fragen zum Kreislauf
Ist das etwas anderes als der Kreislauf des Risiko- und Krisenmanagements?
Muss jeder Einsatz alle zehn Phasen durchlaufen?
Wer ist für das Weltmodell zuständig?
Wie hängt das mit einer Einsatznachbesprechung zusammen?
Quellen
- Bundesregierung: Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen (Bundesrat-Drucksache 501/22)
- BBK: LÜKEX, Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung
- BBK: Auswertungsbericht LÜKEX 23 „Cyberangriff auf das Regierungshandeln“
- Bayerisches Katastrophenschutzgesetz (BayKSG), Art. 3 Vorbereitende Maßnahmen der Katastrophenschutzbehörden
- Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG)
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