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RATGEBER

Ein Notfallplan Kommunikationsausfall für den Fall, dass Mobilfunk und Internet ausfallen

Ein Notfallplan Kommunikationsausfall legt fest, was jede Person tut, wenn die Telefone schweigen, ohne dass es ihr jemand sagen muss. Dieser Ratgeber behandelt PACE-Stufen, Sammelpunkte und feste Meldezeiten, Melder, Offline-Daten, die Rückfallebene Funk und einen Test für einen Nachmittag.

Zuletzt geprüft 2026-10-30

Wie ein Ausfall draußen aussieht

Netze verschwinden selten auf einen Schlag. Bei Hochwasser, Sturm oder langem Stromausfall werden erst die Daten langsam, dann scheitern Anrufe, dann gehen Standorte aus, wenn Strom und Akkus zu Ende sind. Die Expertenkommission zum Berliner Stromausfall vom Januar 2026 nennt für Mobilfunkmasten einen Batteriepuffer von rund 30 Minuten; auch das Festnetz fiel aus, weil die Router am Strom hängen. Der TAB-Bericht des Bundestages beschreibt außerdem, dass Basisstationen wegen des erhöhten Aufkommens binnen Minuten überlastet sein können. Gefährlich ist die Zeit, bevor jemand feststellt, dass das Netz ausgefallen ist, während jedes Team auf eine Nachricht wartet, die nicht mehr kommt.

Der Plan braucht deshalb neben der Ersatzlösung auch einen Auslöser. Im Kreislauf der Einsatzvorbereitung schreiben Sie ihn in PREPARE und üben ihn in TRAIN. Seinen Nutzen zeigt er in ADAPT, wenn sich die Lage ändert und alle auf die vorbereitete Alternative wechseln. Den Begriff erklärt unser Eintrag zum PACE-Plan.

PACE-Stufen für ein Einsatzteam

STUFEMITTELWECHSEL WENNWAS NOCH GEHT
PrimaryApp über Mobilfunkdaten, TelefonateNormalbetriebAlles
AlternateSMS und App im Sparmodus, Ersatz-SIM in einem anderen NetzZwei gescheiterte Sendungen in 5 MinutenKurze Texte, verzögert
ContingencyHandfunkgeräte auf dem vereinbarten Kanal, mit FunkleitungKein Kontakt seit 15 MinutenSprache, einer nach dem anderen, kurze Reichweite
EmergencySammelpunkt zur festen Zeit, dann Melder mit schriftlicher NachrichtKein Kontakt bis zur nächsten MeldezeitPapier, und das nur langsam

Die Schwellen sind unser Vorschlag. Legen Sie Ihre eigenen in einer Übung fest und schreiben Sie sie auf eine Karte, die alle bei sich tragen.

Sammelpunkte und feste Meldezeiten

Ein Sammelpunkt beantwortet die Frage: „Wohin gehe ich, wenn ich nichts mehr höre?“ Wählen Sie einen je Abschnitt und einen für das ganze Team, an einem Ort, der in der erwarteten Lage erreichbar bleibt: oberhalb der Hochwasserlinie, zu Fuß zu erreichen und ohne Karte zu beschreiben. Das Feuerwehrhaus bietet sich oft an, weil viele Städte dort ohnehin ihre Notrufmeldestellen vorsehen. Stuttgart etwa plant dafür 23 Standorte der Freiwilligen Feuerwehr ein. Geben Sie jedem Punkt einen Namen, Koordinaten und eine benannte Person, die dorthin geht.

Feste Meldezeiten machen aus Schweigen eine Information. Vereinbaren Sie im Voraus, dass sich jedes Team zu bestimmten Zeiten meldet, etwa zehn Minuten nach jeder vollen Stunde.

  • Eine Meldung fehlt: Die Einsatzleitung notiert das und versucht die nächste Stufe.
  • Zwei Meldungen fehlen: Die Einsatzleitung schickt einen Melder oder ein Fahrzeug zur letzten bekannten Position.
  • Ein Team ohne Kontakt geht zur nächsten halben Stunde an seinen Sammelpunkt und wartet 20 Minuten.
  • Wer bis zu einer festgelegten Uhrzeit keine Anweisung hat, kehrt zum Stützpunkt zurück.

Melder und schriftliche Nachrichten

Ein Melder ist eine Person zu Fuß, auf dem Rad oder im Fahrzeug, die eine schriftliche Nachricht überbringt. Das funktioniert auch dann, wenn nichts anderes mehr geht. Halten Sie einen Block mit fünf Feldern bereit: von, an, Uhrzeit, Nachricht, Antwort nötig. Lassen Sie sich die Nachricht vorlesen und notieren Sie, wann sie abging und wann sie ankam. Nachts oder bei Hochwasser gehen Melder zu zweit, mit festem Weg und fester Rückkehrzeit. Ein Team von 20 kann meist zwei Personen abstellen, und die sollten vorher feststehen.

Offline-Daten, die jede Person dabeihaben sollte

Über Funk lässt sich keine Karte schicken. Die Daten müssen also auf dem Gerät oder auf Papier sein, bevor das Netz ausfällt. Alles Folgende sollte ohne Empfang verfügbar sein.

  • Offline-Karten des gesamten Gebiets mit Abschnitten und Sammelpunkten.
  • Der Plan, seine Alternativen und die Bedingungen, die sie auslösen.
  • Kontaktliste, Funkkanäle und Rufnamen, auch auf Papier.
  • Aufgabenliste und Checklisten für die eigene Rolle.
  • Eine Powerbank und eine Papierkopie von allem, ohne das die Arbeit bei leerem Akku stehen bliebe.

Rückfallebene Funk: BOS-Digitalfunk und was andere nutzen dürfen

Der BOS-Digitalfunk beruht auf dem Standard TETRA und steht nur berechtigten Nutzern offen; maßgeblich ist die Anerkennungsrichtlinie des Bundes. Gesamtplanung und Koordination liegen bei der BDBOS, die Länder entscheiden über den Ausbau in ihrem Gebiet. Endgeräte arbeiten im Netz (TMO) oder direkt von Gerät zu Gerät (DMO), und DMO funktioniert auch ohne Basisstation. Für Stromausfälle gilt: In Baden-Württemberg soll ein Grundbetrieb mindestens 72 Stunden laufen, Schleswig-Holstein gibt für seine Standorte eine autarke Versorgung von 72 Stunden an. Die Stände unterscheiden sich je Land, und die Berliner Kommission fordert für ihren Bereich weitere Härtung. Fragen Sie deshalb Ihre Autorisierte Stelle, statt von 72 Stunden auszugehen.

Die Telekommunikationsbevorrechtigung nach §§ 184 bis 187 TKG hilft Berechtigten bei überlasteten Netzen: Mobilfunkbetreiber stellen ihre Verbindungen vorrangig her. Zum Kreis gehören Behörden, einschließlich Gemeinden, Katastrophenschutz- und Hilfsorganisationen, Aufgabenträger im Gesundheitswesen, Hilfs- und Rettungsdienste und Rundfunkveranstalter. Andere brauchen eine Bescheinigung der zuständigen Behörde, die höchstens zehn Jahre gilt. Anmelden müssen Sie das rechtzeitig im Voraus beim Anbieter; die Bundesnetzagentur nennt einmalig 50 Euro je Mobilfunkanschluss. Die Bevorrechtigung gilt nur im Netz des jeweiligen Betreibers und hilft nicht, wenn ein Mast keinen Strom mehr hat.

Für alle anderen bleiben meist PMR446-Handfunkgeräte, die auf einer Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur beruhen: kurze Reichweite, geteilte Kanäle, kein Abhörschutz. Namen und medizinische Angaben haben darauf nichts zu suchen. Ähnliches gilt für CB-Funk, eine private, nicht kommerzielle Anwendung ohne Vorrang für irgendwen. Funkamateure bieten eine weitere Option. Der DARC unterhält ein Referat für Not- und Katastrophenfunk, räumt aber selbst ein, dass Funkamateure im Ahrtal 2021 nicht angefordert wurden und Kooperationen mit Behörden selten sind. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es seit 2022 eine Vereinbarung mit dem DARC, und in Hessen können die unteren Katastrophenschutzbehörden individuell eine schließen. Sprechen Sie Ihren Ortsverband an, bevor Sie ihn brauchen, und bedenken Sie, dass Amateurfunk unverschlüsselt läuft und jeder mithören darf.

So testen Sie den Notfallplan Kommunikationsausfall

Vorbereitung

  • Partner und Leitstellen informieren, dass geübt wird, und einen echten Kanal für die Sicherheit freihalten.
  • Prüfen, ob alle Karte, Funkgerät, geladenen Akku und Offline-Daten haben.

Durchführung

  • Ohne Vorwarnung den Ausfall der Mobilfunkdaten erklären und alle bitten, sie abzuschalten.
  • Messen, wie lange jedes Team bis zur nächsten Stufe braucht.
  • Ein Team eine Meldezeit auslassen lassen und prüfen, ob die Eskalation greift.
  • Einen Melder mit schriftlicher Nachricht losschicken und die Zeit für Hin- und Rückweg stoppen.

Danach

  • Was nicht funktioniert hat, mit Uhrzeiten ins Register der Erkenntnisse eintragen.
  • Die Karten korrigieren und den misslungenen Teil wiederholen.
Wo Sinkaos hilft

Die Sinkaos-Apps arbeiten offline: Nachrichten, Meldungen, Vorfälle, Aufgaben, Kartenänderungen und Tracks entstehen auf dem Gerät und werden gesendet, sobald es möglich ist. Ein lokaler Feldserver kann einen Einsatz ohne Internet führen. Bei schlechter Verbindung sendet Store-and-Forward zuerst wichtige Texte und Alarme, und Planalternativen mit ihren Entscheidungsregeln sind offline verfügbar. Um Daten zwischen Geräten zu übertragen, braucht Sinkaos aber irgendeine Verbindung, also bleiben Funk und Melder Teil Ihres Plans. Siehe Offline-Karten.

Häufige Fragen zum Kommunikationsausfall

Was unterscheidet einen Kommunikationsplan von einem PACE-Plan?
Ein Kommunikationsplan sagt, wer wie mit wem spricht. Ein PACE-Plan ist der Teil, der die Rückfallebenen der Reihe nach mit ihrem Auslöser auflistet.
Können Freiwillige oder Gemeinden den BOS-Digitalfunk nutzen?
Nur Berechtigte nach der Anerkennungsrichtlinie. Fragen Sie die Autorisierte Stelle Ihres Landes oder Ihre Feuerwehr, ob und wie Ihre Stelle einbezogen werden kann.
Brauchen wir für Funkgeräte eine Genehmigung?
PMR446-Handfunkgeräte nutzen eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur, eine Einzelzuteilung ist dafür nicht nötig. Für andere Funkanwendungen prüfen Sie die Frequenzzuteilung bei der Bundesnetzagentur.
Wie oft sollten wir testen?
Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn sich Technik, Personal oder Einsatzgebiet ändern. Kurze, häufige Übungen bringen mehr als eine große im Jahr.
VERWANDTE THEMEN

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